[REISEBERICHT] Foliage in New England – Teil 1

9f4b3cbe-92c3-4119-8ded-97f702cda92fHeute bekommt ihr dankenswerter Weise einen interessanten und wirklich schönen Reisebericht von unserem Mitglied Dümbelschöbfer zu lesen. Vielen Dank, dass uns dieser Artikel zur Verfügung gestellt wurde. So etwas veröffentlichen wir natürlich sehr gerne. Wir freuen uns schon auf den 2. Teil.

Ein Reisebericht in 2 Teilen

Seit mehreren Jahren schon habe ich die Idee, im Herbst nach New England zu fahren um die legendäre Verfärbung der Laubbäume zu erleben. Heuer war es endlich soweit! Am 19. September ging es los.

Vorab einige Anmerkungen. Im deutschen Sprachgebrauch steht Indian Summer für die farbigen Bäume. Der richtige Ausdruck hierfür ist Foliage. Der Indian Summer hingegen beschreibt eine Wärmeperiode, die in den Oststaaten nach zum Teil bereits frostigen Nächten auftritt und durchaus noch Anfang November Temperaturen um die 20° C bringen kann. Im Allgemeinen gibt es jedoch eine Überschneidung beider Phänomene.

New England besteht aus 6 Staaten nämlich Rhode Island, Connecticut, Maine, Massachusetts, New Hampshire und Vermont. Die Fläche ist halb so groß wie die von Deutschland und mit knapp 18 Millionen Einwohnern ist die Bevölkerungsdichte ein Drittel so hoch wie hier.

Die Einwohner von New England sind sehr stolz und halten Ihre Länder für die schönsten in den Staaten, da sind sie ein wenig wie wir Franken (weitere Ähnlichkeiten folgen in den Berichten)! Überraschend für mich war (ich war schon 8 mal in den USA), dass die Neu Engländer nicht wie der Rest der Amerikaner in 2 Kategorien aufzuteilen sind, nämlich den normal Aussehenden und den stark Übergewichtigen, sondern sie sind wie wir! Das liegt vielleicht daran, dass es in den Neu England Staaten kaum Konzessionen für Fastfoodketten gibt. Außer dem Gebiet rund um Boston findet man kaum einen McDonalds! Lokale Schnellimbiss Restaurants sind in der Regel Cafés, hier bekommt man auch ein Sandwich, oder einen Burger.  In den Restaurants wird sehr viel Gewicht auf lokale Produkte gelegt, Selbstvermarktung der Bauern ist hier selbstverständlich. Die Neu Englandstaaten gelten ein bisschen als Vorreiter in den USA für soziale und Umweltbelange.

Vorab es war kein Cacheurlaub, es gab soviel zu sehen, so viele Eindrücke zu verarbeiten, daß das Cachen in den Hintergrund getreten ist und sich auf 4 oder 5 Funde beschränkt hat.

Einen kleinen Überblick über das Organisatorische, Übernachten, Mietwagen, Essen,… schreibe ich vorm 2. Teil.

Doch nun zu den Berichten!

Boston – die Lobster Küste – Acadia National Park

Boston_kirche_redDer Start unsere 2 wöchigen Tour war Boston. Diese Stadt halte ich für eine der schönsten der USA. Hier ist perfekt die Integration von modernen Hochhäusern mit historischem Häuserbestand gelungen. Historisch ist hier das Ende des 18. Jahrhundert zu sehen (Stichpunkt Teaparty). Für Boston bietet sich der sogenannte „Freedom Trail“ an. Von der Touriinfo führt durch die ganze Stadt ein im Pflaster eingelassene rote Linie zu den Sehenswürdigkeiten. Das sind im allgemeinen Gebäude und Plätze die bei der Unabhängigkeit der Amerikaner eine Rolle gespielt haben. Wenn man der Linie folgt und aufmerksam die Infotafeln liest, keine Vorurteile gegenüber den Amerikanern hat, lernt man eine Menge über unsere transatlantischen Freunde. Auf diesem Trail kann man auch die gelungene Integration der neuen Architektur mit dem alten Bestand bewundern.

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Da Im Süden der Neuengland Staaten die Foliage noch nicht eingesetzt hatte, ging es jetzt weiter, die Ostküste nach Norden Richtung Acadia National Park. Die Entfernung beträgt auf der Schnellstraße ca. 450 km, aber wir haben uns für die Landstraße und einem 3 Tagestrip entschieden. Liebliche kleine Ortschaften wechselten sich mit kleinen Hafenstädtchen ab.

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In der Nähe von Boston waren es mehr Jachthäfen, im Norden dann echte Fischerhäfen. Die Küste besteht meist aus Granitklippen, dazwischen allerdings Kilometer lange feinste Sandstrände. Wir hatten Glück mit dem Wetter, etwa 18 Grad und starker ablandiger Wind. Am Rand der Klippen Latschen ähnliche kleine Bäume mit dem Übergang zu von Laubbäumen dominierten Mischwald. Überall gab es herrliche Aussichtsplattformen mit kurzen Trails (1-1,5km Länge) an den Klippen entlang.

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An dieser Küste „in the middle of nowhere“ war es dann soweit! Es war an einer kleinen Bucht, ein Kai, 3 Boote, 5 Gebäude, farbige Käfige, die nächste Ortschaft ca. 5km entfernt. Was gibt es hier? Lobster! Überraschung: 6 nicht ganz billige Autos, eine Holzbude, 10 Bierbänke!

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Mein erster Hummer „lobster on the rough“, so nennt man das Hummer Essen auf Bierbänken. Die junge Dame des Lokals führte uns zum Kai, hat mit einem Kran einen großen farbigen Hummerkorb herausgezogen und uns gefragt, welchen Hummer wir denn essen wollen! Wir haben ihr dankend die Auswahl überlassen! 15 min später war es so weit. Man bekommt den Hummer auf einen Pappteller, Plastikgeschirr, einen Nussknacker und sitzt im Freien, lässt sich die steife Meeresprise um die Nase wehen, genießt den Hummer und den tollen Ausblick. Diese Art von Lobstermeal ist bei den Amerikanern sehr angesagt, bei allen Bevölkerungsschichten! Wir wurden gefragt, wer uns den Tipp gegeben hat und die Einheimischen waren total überrascht, dass wir es per Zufall gefunden haben! Im Übrigen, auch wenn man Hummer im Restaurant isst, er kostet nur wenig mehr wie ein Burger. Hummer gilt meiner Ansicht nach zurecht als Delikatesse, hmm lecker!

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Im weiteren Verlauf unserer Reise nach Norden gelangt man dann nach Freeport dem Outlet Center Maines. Hier ist vor allem L.L.Bean interessant, eine in den USA beliebte Outdoormarke. Hier gibt es alles was man sich im Outdoorbereich nur vorstellen kann, wirklich alles! Nicht billig, aber hochwertig und preiswert, ich schätzte mal umgerechnet 20-25 % ( je nach Dollarkurs) günstiger wie bei uns.

Nächste Station war die Orchard Beach, eigentlich nur wegen der günstigen Übernachtung. Während der Saison ein umtriebiger Sandstrand, jetzt außerhalb der Saison ein wunderschöner unberührter Strand mit der Möglichkeit einfach windgeschützt zwischen kleinen Dünen zu sitzen, oder stundenlange Spaziergänge zu machen. Wow, um 16h 25°C im Schatten auf der Terrasse vorm Zimmer im Schaukelstuhl sitzen, dem Meeresrauschen zuhören, einen Whisky sour schlürfen,…was will Mann mehr! In der Früh gab es dann noch den Klasse Sonnenaufgang aus windumtosten Wellen zu genießen.

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Die letzte Station des ersten Teil war dann der Acadia National Park. Ich kenne gut ein Dutzend amerikanische Nationalparks, aber dieser einzige Nationalpark Neuenglands hat mich begeistert! Er ist auf einer Insel in der Bucht von Bangor gelegen. Der höchste Berg, der Cadillac Mountain hat immerhin eine Höhe von 460m und die Möglichkeit Outdoor Aktivitäten auszuführen sind riesig.

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2_minus_redBei schönem Wetter muss man am Abend 45 min vor Sonnenuntergang am Gipfel sein, sonst kriegt man keinen guten Platz zum Fotografieren des Sonnenuntergangs. Der muss hier super schön sein, ich hab es leider nicht erlebt. Es gibt beliebig viele Wanderwege aller Längen, und die haben es in sich. Auf allen 3 durchgeführten Wanderungen waren, quasi Stücke dabei, bei denen man beide Hände zum Besteigen brauchte, bei dem einen war ein Stück 2+ oder 3-!

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Als Wanderung ziemlich heftig, aber es hat Spaß gemacht. Weiterhin gibt es sehr viele Radwege. Meereskajak, Segeln,… was das Herz begehrt. Die Foliage war erst zu 30 % vorhanden, trotzdem waren die Ausbilcke einfach herrlich. Der Park ist hervorragend organisiert, kostenlose Busse mit kurzen Taktzeiten, jeder Bus kann 6 Fahrräder mitnehmen, die Trails sind gut markiert und Caches gibt es auch!

Nach einem traumhaften Sonnenaufgang, vom Hotelzimmer aufgenommen, geht’s weiter in die White Mountains.

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Das erwartet Euch im 2. Teil:

Die Foliage und ein bisschen Franken in der Neuen Welt

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