[Reisebericht] Foliage in New England – Teil 2

9f4b3cbe-92c3-4119-8ded-97f702cda92fTeil 2 des Reiseberichts von unserem Mitglied Dümbelschöbfer. Vielen Dank, an dieser Stelle. Wir freuen uns immer über Gastartikel die zu unserer Webseite passen.

Ein Reisebericht in 2 Teilen

Zunächst in paar Anmerkungen zum Organisatorischen:

Anreise:

Wenn man zeitlich flexibel ist und ein bisschen im Internet sucht findet man übers ganze  Jahr gesehen Flüge um 530€ pro Person von Nürnberg nach Boston. Ist man bereit längere Umsteigeverbindungen (18h statt 11h gesamte Flugzeit) in Kauf zu nehmen, kann der Flug schon mal 50-80€ günstiger sein. In den USA braucht man auf alle Fälle einen Mietwagen, es gibt für 2 Wochen Angebote eines Kleinwagens inkl. Vollkasko ohne Selbstbeteiligung ab 250€ . Aus Komfortgründen und weil wir auch schon mal abseits der Touristenrouten unterwegs sind, kommt für uns eigentlich immer nur ein Midsize SUV 4WD in Frage. Unser Jeep Patriot hat 430€ gekostet. Die Spritpreise kann man in den USA eigentlich vernachlässigen.

Unterkünfte:

Übernachten kann man am Besten in den zahlreichen Motels, die Preise bewegen sich zwischen 60 und 200 Dollar pro Zimmer (4 Personen), oder in Bed & Breakfast Pensionen. Letztere sind nicht ganz meins, z.T. very, very old fashioned und überteuert, aber vor allem Engländer und Amerikaner stehen auf den Flair der 50iger Jahre. Die preiswerten Unterkünfte sind ohne Frühstück, allerdings kriegt man Kaffee den ganzen Tag umsonst. Bei den teureren Unterkünften ist das Frühstück sehr unterschiedlich, geht von sehr gut bis naja. In der Nähe der Motels gibt es in der Regel Frühstücksmöglichkeiten, der Amerikaner mag das Frühstück allerdings etwas deftiger wie wir Franken!

In Boston selber ist Übernachten für einen Normalsterblichen eigentlich nicht finanzierbar. Es gibt aber relativ günstige Hotels und Motels im Einzugsbereich von U-Bahn und Commuter Rail (S-Bahn).

Die Dichte von Campgrounds ist sehr hoch, sie sind nach deutschem Standard eher komfortabel, in der Regel mit einem fest installiertem Grill und einer Feuerstelle, Feuerholz gibt es an jeder Ecke für 2-3$. Zu unserer Reisezeit waren die meisten Campgrounds noch geöffnet.

Essen und Trinken:

Wenn man sich in Supermärkten verpflegt, ist es umgerechnet so teuer/billig wie in Deutschland, im Restaurant beginnen die Gerichte bei ca. 14$, allerdings wird in den USA ein Trinkgeld von 15 Prozent erwartet. Etwas ungewöhnlich für einen Deutschen, die Bedienungen bekommen jedoch nur ein rudimentäres Gehalt und leben eigentlich nur vom Trinkgeld!

Weil wir gerade beim Essen sind, viele bekannte Schnellimbissketten gibt es nicht in Neu England, aber vergleichbares. So haben oft Bäckereien und Cafes auch Burger, Sandwiches, etc. Wenn man in ein Restaurant geht, muss man zumindest am Wochenende auf einen Tisch warten, auf jeden Fall gilt: „wait to be seated“. Wer schon mal in Amerika war weiß, daß kaum hat man den letzten Bissen hinutergeschluckt bekommt man schon die Rechnung. Das hat nichts mit Unhöflichkeit zu tun, es ist z.T. legitimer Geschäftssinn, es warten ja schon andere Gäste auf einen Tisch! Dem zu entgehen ein Tipp: An die Bar kann man immer gehen und dort gibt es die gleiche Speisekarte, zahlen muss man hier erst wenn man gehen will. Üblicherweise werden die Kassenbons in einem kleinen Glas vor einem aufbewahrt. An der Bar kommt man sehr einfach mit den Einheimischen ins Gespräch, die dann schon neugierig lauern um einen anzusprechen, my favorite!

Reisezeitraum:

In New England gibt es höchste Artenvielfalt an Laubbäumen auf der Welt. Allein 10 Unterschiedliche Ahornbäume gibt es. Hier sei besonders der Zuckerahornbaum (vom Ahornsirup bekannt) erwähnt, der sich im Laufe der Foliage von gelb über leuchtendes rot zu braun hin verfärbt. Die Foliage wird am farbenprächtigsten, wenn die Bäume einmal Frost gehabt haben. Der Zeitraum der Foliage ist von Mitte September bis Mitte Oktober, an der Südküste Rhode Islands auch Ende Oktober (durchschnittliche Zeiten). Sie findet im Norden und im Gebirge früher statt.

Für die Foliage ist der günstigste Reisezeitraum die letzte Septemberwoche und die erste Oktoberwoche. Aber im Oktober steigen die Preise für Übernachtungen, zumindest am Wochenende, auf bis das Doppelte an!

White Mountain – Beer Country – Foliage

Endlich! Nach 5h Fahrt sind wir in den White Mountains angekommen. Die White Mountains sind Teil der Appalachen, eine Gebirgskette (höchster Gipfel ca. 2050m), die sich von Alabama bis nach Kanada (Quebec) ca. 2400 km lang hinaufziehen. Es gibt in den White Mountains 48 Gipfel die höher 4000 ft (1200m) sind. Geologisch sind sie gleichzeitig wie z.B Ural, Thüringer- und Frankenwald entstanden.

Im Motel angekommen fragten wir nach einem schönen Restaurant. Die Empfehlung: „Moat Mountain Smokehouse & Brewery“. Klingt nicht schlecht, also gesagt und getan. Für mich als Franken ein unvergessliches Erlebnis. Eine sogenannte Microbrewery, wie sie in den letzten Jahren in USA, aber besonders in Neu England entstanden sind. Hier gibt es richtig gutes Bier!

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Beer Rack, pro Glas ½ pint Preis 8 US$! Da brauchst Du nichts mehr!

Richtig temperiert, lecker im Geschmack. Selbst das mit Blaubeeren (echte Blaubeeren, kein Aroma) flavored Bier schmeckt total lecker. Leider (oder Gott sei Dank), gilt auch in USA 0,8 Proz. Die Microbreweries bzw. deren Biere begleiten uns auf dem Rest der Reise.

Am nächsten Tag auf zum Mount Washington. Der mit knapp 2000m höchste Berg Neu Englands ist der Punkt mit dem schlechtesten Wetter des gesamten Nordamerikanischen Kontinents. Er ist 200 Tage im Jahr in Wolken, es wurden schon -40 Grad Celsius, eine Windgeschwindigkeit von 370 km/h gemessen und winterliche Niederschläge von mehr als 12m Schnee ist keine Seltenheit. Auf den Berg kommt man entweder zu Fuss (1500 hm), mit dem Auto oder mit der Eisenbahn. Dabei durchquert man 3 Klimazonen bis hin zur Tundra.

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Blick nach Canada

Wir haben die Auffahrt mit dem Auto gewählt, da man für die Fahrt mit der Bahn sich 2 Tage vorher anmelden musste und der Preis mit mehr als 50 Dollar pro Person schon heftig war. Ein tolles Erlebnis, quasi ein heftiger Alpenpass, meist einspurig ohne Bankett geschweige denn Leitplanken!

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Übergang Mischwald – Nadelwald

Am Startpunkt im Tal herrschten 18 Grad am Gipfel 8 Grad, Sonne, tiefblauer Himmel, buh Glück gehabt! Knapp unterhalb des Gipfels ein Cache zu Ehren der Opfer von 9/11. In einer Kuhle liegen angemalte farbige Steine mit Signatur, net schlecht gemacht, ich war darauf vorbereitet. Der Blick über die White Mountains einfach genial.

Wetterstation
Wetterstation, die Ketten sind da um das Haus bei Sturm „festzuhalten“!

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Cache: Mt.Washington 9/11 Memorial

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Zum Teil fahren auch Dampflokomotiven

Nachdem wir wieder unten angekommen sind haben wir noch ein paar Trails zu einigen der vielen Wasserfällen unternommen, aber die waren im Vergleich zu den farbigen Bäumen eher Nebensache.

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Oben am Wasserfall

Nach einer kurzen Wanderung am Zufluß des Echolakes entlang, haben wir dann am Strand bei 25° C im Schatten bei einem spannenden Buch noch ein bisschen relaxt.

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Zufluss zum Echo Lake

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Echo Lake Blick auf die Cathedral Felswand, ein Klettereldorado

Am nächsten Tag war die Kancamagus Road an der Reihe. Eine sogenannte „Scenic Road“ mit 20 Aussichtspunkten. Normalerweise eine wenig befahrene Verbindungsstraße zwischen 2 Tälern, im Herbst zur Foliage eine von Einheimischen und Touristen sehr beliebte Route. Hier blickt man auf Seen und übers Land, da man teilweise nach unten sieht, wirken die Wälder von oben gesehen richtig rot. Die Foliage war hier schon zu 60-70 Prozent vorhanden.

Hier ein paar Impressionen von den Ausblicken von der Straße:

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Bergsee

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Blick auf die Presidential Range, die Gipfel haben die Namen von ehemaligen amerikanischen Presidenten.

kancamagus_3Am nächsten Tag kamen wir zu unserer Überraschung in die „Franconian Notch“, die fränkische Rinne. Benannt nach „Frankonian Switzerland in Bavaria, Germany“.(Wikipedia) Ein Stück Heimat in der neuen Welt! Bode Miller ist bei Franconia (kleines Städtchen) aufgewachsen und hat dort das Skifahren gelernt, sozusagen ein echter fränkischer Olympiasieger! 2 wunderschöne Wanderung auf 2 Aussichtsberge und zur Belohnung ein Oktoberfestbeer.

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Der Trail-Head unserer heutigen Wanderung

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Könnte man auch in den Alpen finden

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Die Talstation der Seilbahn ins Skigebiet. 5 Lifte, 700hm Differenz: 72 US$ ein 1-Tages Skipass, heftig!

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Foliage von oben, ein riesiges Naturschutzgebiet nur von der einen Straße durchbroche
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Blick vom Artists Bluff

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The Flume

In dem Tal gibt es die Flume eine interessante Schlucht, ein Granitsteinspalt wurde mit Vulkanmagma aufgefüllt, im Laufe von mehreren 10000 Jahren wurde das „weiche“ Vulkangestein zum Teil ausgewaschen. Das war eine richtig schöner Tag. Tolle Farben, super Aussichten, schattige Schlucht. Der Schatten war auch nötig, dieser Tag mit 28 Grad war der wärmste der 2 Wochen.

Die Foliage wirkt live natürlich wesentlich beeindruckender als auf Bildern. Zumal ich nur eine Kompaktkamera habe und kein begnadeter Fotograf bin. Auch wenn wir hier in Franken, vor allem in den Mischwäldern des Steigerwalds, auch wunderschöne Laubverfärbungen haben, es ist kein Vergleich zu den Neuenglandstaaten!

Um die Foliage zu 100 Prozent zu sehen, hätten wir noch 3-4 Tage dableiben müssen, oder weiter nach Norden fahren müssen.

Über Nacht kam es zu einem dramatischen Wetterumschwung, bedeckt, Nieselregen, 12 Grad. Wir haben uns entschieden, nachdem wir die Foliage erlebt, haben an die Küste zurück zu fahren. Ab gings Richtung Plymouth. Unterwegs natürlich ein obligatorischer Stopp an einem Outletcenter an der Grenze New Hampshires. Auf Grund der äußerst günstigen Textilienpreise ist es schon eine Überlegung wert, einen Stopp in einem Outletcenter zu machen. Aber am Besten im Internet vorher informieren, damit man nicht in einem Touri-Outletceter landet, sondern in einem, das auch die Einheimischen besuchen! Premium-Outlet ist z.B. eine Marke in USA, die man fast überall findet. Klamotten sind in USA spottbillig, als Beispiel eine Lewis 501 29,95 US$, also umgerechnet 24€! In Summe ca. 400€ gespart, na das war ja schon mal der Mietwagen!

Plymouth 300km im Süden war der erste Anlaufpunkt der Pilgrimfathers im Jahre 1620. in Plymouth gibt es eigentlich 2 Sightseeing Punkte. Die MayflowerII, ein Nachbau des Pilgrimfather Schiffs und „The Rock“.

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Mayflower II

The Rock klingt nach Alcatraz , ist aber in Wirklichkeit nur ein rund gelutschter Stein etwa so groß wie ein Mülleimer. Aber neben Ground Zero in New York muss man als Amerikaner wohl mal da gewesen sein, weil hier angeblich der erste der Pilgrimfathers seinen Fuß auf amerikanischen Boden gesetzt hat!

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The Rock

Am nächsten Tag war Cape Cod auf dem Programm. Ein Muss wenn man Sanddünen, Strand und Meer mag. Es war war trocken, aber bedeckt, kühl und windig, eigentlich ein idealer Tag für eine Strandwanderung. Durch niedrige knorrige Bäume gings zu den Dünen. Dann bei starkem auflandigem Wind an einem 100m breiten Sandstrand zwischen den Düne  entlang. Außer 2 Rangern niemand weit und breit. Herrlich, auf den Sandbänken im Meer jede Menge Seelöwen, bei Flut soll man um die Sandbänke kreisende Weiße Haie sehen können. Was für ein Abschluss!

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Waldstück vor den Dünen

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Atlantikküste von Cape Cod

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Gruß von Hitchcock

Am nächsten Tag regnete es „Cats and Dogs“ den ganzen Tag und die ganze Nacht. Der letzte Tag war gemütlich, eine kurze Fahrt durch Plymouth, ein paar Tassen Kaffee in der Bäckerei, ein bisschen lesen, Rückflug überprüfen und einchecken. Zum Abschluß an der Bar noch 2 Bierchen und ein half-rack Spareribs verzehrt, ein bisschen mit dem Nachbarn geredet, ein einfach perfekter Urlaub

Solltet Ihr irgendwelche Fragen haben, könnt Ihr mich gern per pn anschreiben.
Ich hoffe der Bericht hat Euch gefallen und ein bisschen neugierig gemacht?

Man sieht sich im Wald

Dümbelschöbfer

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